„Bier-Opa“ im Krieg (1939-48)

Ob unser „Bier-Opa“ Jakob Schmitt (geb. 22.1.1910, gest. 4.11.1984) gerne Soldat war, ist eher unwarscheinlich. Aber Zeit seines Lebens war er wohl davon überzeugt, das es richtig war. Denn unter Adolf Hitler hatte zum ersten Mal regelmäßige Arbeit und die Zeiten waren wesentlich besser, als die, die er in seiner Jugend erlebt hatte. Doch dafür hat er teuer dafür bezahlt: mit acht Jahren in Krieg und Gefangenschaft. Als er 1948 aus Russland nach Hause kam, war er so krank, dass man ihm nur noch drei Monate zu leben gab.

Viele Dokumente hat er nicht zurück gelassen: ein paar umbeschriftete Fotos, den Entlassungsschein aus der Gefangenschaft und ein zerkratztes Eisernes Kreuz. Die Anfrage bei der Deutschen Dienststelle für die Benachrichtigung der nächsten Angehörigen von Gefallenen der ehemaligen deutschen Wehrmacht ergab auch nicht viel – seine Unterlagen sind „vermutlich durch Kriegseinwirkung“ verloren gegangen.

Trotzdem konnte ich zumindest etwas von seiner Zeit „beim Barras“ rekonstruieren und festhalten – für alle, die es interessiert und die ihn in Erinnerung behalten.

 

Der Krieg begann in der Hochzeitsnacht.

Am 31. August 1939 gaben sich Maria Stachel und Jakob Schmitt das Ja-Wort in St. Wendel. In der folgenden Nacht  beginnt mit dem Überfall auf Polen am Morgen des 1. September der zweite Weltkrieg.

Opa Jakob war von Anfang an dabei: am 1.9.1939 ist er als Kanonier bei der 4. Batterie der Festungs-Flak-Abteilung 32 gemeldet.

Die Flak-Abteilung lag in den neu gebauten St. Wendeler Kasernen am Tholeyer Berg, sodass es nahe lag, dass er als gebürtiger St. Wendeler dorthin eingezogen wurde. Ob es ihn gestört hat, weiß ich nicht – jedenfalls musste er sich noch lange anhören, er sei nicht bei „den Soldaten“ gewesen, sondern nur bei der Fla. 

Wie es danach weiterging, ist unklar. Am 10. Mai beginnt der Feldzug gegen Frankreich, nach sechs Wochen ist er vorbei: Petain kapituliert am 16. Juni im Wald von Compiègne. Jakob liegt spätestens ab August 1940 in Cherbourg, wo auf im Fort de Île Pelée seine Flak-Batterie statinoniert war. Am 1. August 1940 wird er beim Feldflugplatz Fort de Querqueville durch einen Bombensplitter an der linken Wade verletzt und kommt danach bis zum 10. September ins Lazarett nach Cherbourg und Caen.

Bis auf eine Behandlung wegen eines Ganglions am rechten Handrücken im April 1942 gibt es keine weiteren Meldungen mehr. Zwischen 1940 und 43 erhielt er (vermutlich seine Batterie oder sein Geschütz) das EK2 für eine Reihe von Abschüssen feindlicher Bomber.

 

Gefangenschaft

 
Bis zum 8. Mai 1945: an diesem Tag geht er in russische Gefangenschaft, aus der er erst am 23. Oktober 1948 wieder zurück kehrt. Welchen Weg er mit seiner Einheit nimmt, ist nicht klar. Das Lexikon der Wehrmacht vermeldet:

Die 13. Flak-Division wurde am 16. Januar 1942 im Luftgau Westfrankreich bei Cean zur Ablösung der Flak-Division 9 aufgestellt. Der Divisionsgefechtsstand befand sich in Beauregard und verlegte im April 1942 nach Vernon sur Eure nordwestlich von Paris. Anfang 1943 folgte die Verlegung nach Laval. Nach Beginn der alliierten Landung in der Normandie wurde am 24. Juli1 944 ein vorgeschobener Gefechtsstand in Flers errichtet, der am 9. August 1944 nach St. Calais verlegte. Die anschließenden Rückzugsbewegungen führten den Divisionsstab bis zum 30. August 1944 nach Straßburg. Anschließend erhielt die Division den Auftrag, die aus Frankreich zurückkehrenden Flak-Verbände in Luxemburg zu sammeln, um dann diese Einheiten im Bereich der Heeresgruppe G am linken Flügel der Westfront zu führen. Am 8. November 1944 erfolgte die Verlegung des Divisionsstabes nach Genfeld südlich von Straßburg, am 22. November nach Schlettstadt und am 9. Dezember nach Bieheim bei Neu-Breisach sowie am 20. Dezember 1944 nach Horben bei Freiburg. Bei Kriegsende befand sich der Divisionsstab in Plaß nördlich von Pilsen. (http://www.lexikon-der-wehrmacht.de/Gliederungen/Flak-Divisionen/13FlakD.htm).

Ich kann mich daran erinnern, dass er erzählt hat, dass er auf dem Weg in die Gefangenschaft über Autobahnen marschiert ist, auf denen nagelneue Flugzeuge standen, die alle nicht mehr zum Einsatz kamen. Vermutlich war er enttäuscht darüber, den Krieg hätte er gewinnen wollen, er war immer noch überzeugt.

Die Gefangenschaft er- und überlebte er in einem Bergwerk in der Ukraine. Seine Kameraden haben nach dem Krieg davon erzählt, dass er für sie gekocht hat. Was, danach wollten sie lieber nicht fragen – aber es hat dazu beigetragen, dass sie überlebt haben. Am 23. Oktober 1948 wird er im Lager Hof-Moschendorf „aus östlichem Gewahrsam kommend“ entlassen, eine Woche später kommt er in St. Wendel an. Er ist krank, die Ärzte geben ihm nicht mehr lange. Aber er stirbt erst 1984 im Alter von 74 Jahren – so schnell bekam ihn niemand unter.

 

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Mit den wenigen Angaben, die vorlagen, konnte ich dennoch einige der Bilder aus der Normandie lokalisieren. In Cherbourg betrieb die Luftwaffe einen Feldflugplatz, der hier gut dokumentiert ist. Im Hafen von Cherbourg benutzt die Wehrmacht alte französische Festungsanlagen und baut sie weiter aus, unter anderem das Fort de Île Pelée. Hier war die Flak-Batterie meines Opas stationiert und dort ist er zu sehen.

 

 

 

 

 

Quellen und Links

 

 

 

 

 

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